Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern,

es ist mir bedeutsam, euch und Ihnen im Anschluss an meinen letzten Brief an alle Schülerinnen und Schüler und an alle Eltern erneut zu schreiben. Die Beschmutzung unserer Schulgebäude durch die Nazi-Schmierereien wurden und werden diskutiert, in der Schule, mit dem Bürgermeister, sicher auch auf kommunalpolitischer Ebene und in den Familien unserer Schulgemeinschaft. Natürlich schließt sich an die Verurteilung auch die politische Diskussion und der Beschluss konkreter Maßnahmen an den Schulen und in der Zivilgesellschaft Eutins auf den Ebenen der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung an, getragen von politischem Bewusstsein, von Tatkraft und Verantwortlichkeit.

In unserer Schule sind wir uns in solchen Diskussionen einig, dass die schlimmen Vorfälle auch einen pädagogischen Auftrag auslösen. Es ist uns allen ein Anliegen höchster Bedeutsamkeit, die Hintergründe zu thematisieren, Sachaufklärung zu leisten, ggf. Unwissenheit zu beheben und den Gedankenaustausch zur NS-Diktatur, zu den Folgen der Nazi-Herrschaft und des 2. Weltkrieges, ebenso zum Antisemitismus zu initiieren und zu ermöglichen. Hierfür haben wir altersangemessene und klassenstufenbezogene Maßnahmen beschlossen und ausgearbeitet. Gern möchte ich euch und Ihnen im Folgenden einen kurzen Überblick hierzu geben. Für die Aktivitäten ist v. a. der Zeitraum bis zum 06.11.2026 zu nutzen.

  • In den Klassenstufen 5 bis 7 wird der Soziale Unterricht genutzt. Ausgang sind die Filme „Als Kind in Auschwitz“ und „Warum Nazi-Symbole verboten sind“, die in der ZDF-Mediathek zu finden sind. Ausgehend hiervor werden im Sozialen Unterricht die Stunde/n bis zum o. g. Datum genutzt.
  • In der Klassenstufe 8 nutzen wir den Unterricht in der Demokratie-Stunde des WiPo-Unterrichtes zur expliziten Behandlung und Auseinandersetzung mit den o. g. Themen aus der Bereich der Politik, insbesondere zur Demokratie vs. Diktatur.
  • In der Klassenstufe 9 werden Experten der Polizei zu Fragen der Verwendung von NS-Symbolen, insbesondere in social media-Kanälen, mit den SuS ins Gespräch kommen. Die genaue Terminierung steht noch aus.
  • In der Klassenstufe 10 werden Veranstaltungen innerhalb des Alfons-Projektes thematisch anschließen. Wir haben eine Zweitzeugin, Frau Irene Witte, gewinnen können, die am 11.11.2026 in der 3. und 4. Stunde aus ihrer Familiengeschichte berichtet und hierzu mit unseren Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen möchte. Am 10.12.2026 führen wir einen Wandertag für die Klassenstufe 10 durch, der uns nach Hamburg ins Museum für Arbeit führt. Dort besuchen wir die Sonderausstellung „Nachrichten – news“, die den Umgang mit Fake news darstellt. Anschließend treffen wir von 13 bis 14.30 Uhr ALFONS und können mit ihm seine Gedanken des Programms „Jetzt noch deutscherer“, aber auch alle anderen bedeutsamen Themen diskutieren. Am 16.02.2027 finden klassenweise ganztägige Workshops mit der Organisation Youmocracy für die 10a, 10b und für die 10d und mit dem Schulz-von-Thun-Institut für die 10c statt.
  • In den Jahrgangsstufen 11 und 12 sollen die Schülerinnen und Schüler klassenweise einen Entwurf für den Instagram-Account unserer Schule erstellen, in dem sie eine Stellungnahme ihrer Klasse zu den NS-Schmierereien an unserer Schule und in Eutin in den Herbstferien zum Ausdruck bringen. Diese können kreativ gestaltet sein (Foto, Video, Podcast …). Als Ausgangspunkt können die bisherigen Presseartikel und die Informationen unserer Schule auf unserem Instagram-Account dienen. Wir wollen diese Produkte gern, bei guter Qualität, veröffentlichen.
  • Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 lesen nun die „Heimsuchung“ und gehen am 03.11.2026 hierzu ins Kino Preetz, anschließend findet im Unterricht eine Nachbereitung statt.

Am 09.11.2026 laden wir alle Schülerinnen und Schüler, alle Eltern und Freunde unserer Schule, alle Lehrkräfte und Nachbarn zu einer Menschenkette von 9.30 Uhr bis 9.45 Uhr rund um unsere Schule ein:

WEBER für Respekt, für Demokratie, für Menschenwürde,

WEBER gegen Antisemitismus, gegen Nazis, gegen Ausgrenzung.

Die Menschenkette symbolisiert die Vielfalt unserer Gemeinschaft, die Gemeinsamkeit unserer Werte, die Vielzahl demokratisch denkender Menschen und steht um den Ort, an dem die Beschmutzungen angebracht wurden.

Wir laden hierzu ein. Wenn jemand, eine Schülerin, ein Schüler oder eine Lehrkraft nicht teilnehmen möchte, ist dies innerhalb unserer starken Demokratie zu akzeptieren, diese Personen warten in der Cafeteria auf den Beginn des nachfolgenden Unterrichtes.

Ich hoffe, dass wir unserem gegenwärtigen, besonderen pädagogischen Auftrag gerecht werden und so einen guten Beitrag leisten, unserer sozialen Verantwortung mit allem Engagement zu entsprechen und die Demokratie lebendig und vielfältig zu stärken.

Herzliche Grüße

Dr. Thomas Eggers, OStD
Schulleiter