Am Dienstag nach den Osterferien, dem 14. April 2026, durften wir für einen Tag Schülerinnen und Schüler aus vier Schulen der dänischen Region Guldborgsund an unserer Carl-Maria-von-Weber-Schule begrüßen, die von drei Lehrkräften begleitet wurden. Alle Gäste engagieren sich in der Schülervertretung ihrer Schulen und kamen mit dem Ziel, sich mit Schülerinnen und Schülern der Schülervertretung unserer Jahrgänge 10 bis 13 über die Arbeit der Schülervertretung (SV) auszutauschen.

Zu Beginn der Veranstaltung stellten wir unseren Gästen unsere Schule, unsere Schulform sowie die demokratischen Mitbestimmungsrechte und -möglichkeiten über die Schülervertretung und in der Schulkonferenz vor. Auch einige Projekte wurden präsentiert, darunter der Funkkontakt zur ISS im Dezember 2023, bei dem unsere Schule mit dem dänischen Astronauten Andreas Mogensen sprechen konnte. Der Vortrag wurde von Herrn Dr. Eggers gehalten und von Frau Westphal auf Dänisch übersetzt. Dass wir mit ihr und Herrn Johannwille mittlerweile sogar zwei Dänisch-Lehrkräfte an unserer Schule haben, erwies sich dabei als großer Vorteil, denn unsere Gäste freuten sich sehr darüber, in ihrer Muttersprache empfangen worden zu sein.

Im anschließenden „World Café“ wurde der Austausch vertieft. An zehn thematischen Tischen diskutierten deutsche und dänische Schülerinnen und Schüler zentrale Aspekte der SV-Arbeit. Dabei ging es unter anderem um die Organisation von Schulveranstaltungen wie Sportturnieren oder Faschingsfeiern, die Rolle von Klassensprecherinnen und Klassensprechern sowie Projekte wie „Schüler für Schüler“, zu denen Programme wie Net-Piloten, Streitschlichter und Schulsanitäter gehören. Auch Aktionen zu Nikolaus und zum Valentinstag sowie konkrete Probleme und Verbesserungsideen für die SV-Arbeit wurden ausgetauscht. Die deutschen Schülerinnen und Schüler führten jeweils in die Themen ein und stellten die Perspektive unserer Schule vor, woraufhin die dänischen Gäste aus ihren Erfahrungen berichteten. Ein besonderes Anliegen der dänischen Gruppe war zudem das Thema Rauchen auf Schulhöfen, das an ihren Schulen eine größere Rolle spielt. Sie wollten verstehen, warum dieses Thema bei uns weniger präsent ist. Die wichtigsten Erkenntnisse hielten die Schülerinnen und Schüler zum Abschluss auf Plakaten fest.

Nach einer Mittagspause begrüßten wir den Bürgermeister Eutins Sven Radestock sowie Herrn Kasch, den Leiter des Schulamtes, die mit unseren dänischen Gästen in den Austausch gehen wollten. Eingeleitet wurde die Gesprächsrunde mit den Worten des Bürgermeisters: „Ich bin großer Dänemark-Fan, ich war gerade letzte Woche erst dort.“ Im Mittelpunkt standen zunächst die unterschiedlichen Schulformen in Deutschland sowie die Bedeutung grundlegender Fächer wie Deutsch, Mathematik und Englisch für den weiteren Bildungsweg. Schnell weitete sich das Gespräch auf Themen wie Schulsozialarbeit, Mitbestimmung und politische Teilhabe aus. Herr Kasch erläuterte, dass Schulsozialarbeit in Deutschland bewusst durch externe Träger organisiert wird, um eine unabhängige Unterstützung zu gewährleisten. Schülerinnen und Schüler können sich dort bei Problemen beraten lassen und nehmen regelmäßig an Präventionsangeboten während der Unterrichtszeit teil. Auch politische Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche wurden thematisiert, etwa das Kinder- und Jugendparlament sowie Projekte wie „Schule trifft Kommunalpolitik“, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, Einblicke in politische Prozesse zu gewinnen und ihreMeinung vor Ausschüssen zu vertreten. Ergänzend wurden auch übergeordnete Themen wie aktuelle politische Strömungen in Deutschland, die Bedeutung demokratischer Werte sowie die Gefahren durch Atomenergie angesprochen.

Im weiteren Verlauf der Gespräche wurde schließlich auch der Unterschied zwischen Schulpflicht und Unterrichtspflicht thematisiert. Während in Deutschland die Schulpflicht gilt, besteht in Dänemark eine Unterrichtspflicht, die auch außerhalb der Schule erfüllt werden kann. Viele unserer Schülerinnen und Schüler betonten dabei, dass sie die Schulpflicht als wichtige Grundlage für Chancengleichheit und soziales Miteinander empfinden und sich eine ausschließliche Bildung außerhalb der Schule nur schwer vorstellen können. Eine dänische Lehrkraft ergänzte, dass in ihrem Land große Probleme und massive Herausforderungen im Zusammenhang mit Homeschooling diskutiert werden, insbesondere bezogen auf nicht mehr zu erreichende Bildungsstandards und dann fehlende soziale Kompetenzen.

Der intensive Austausch führte dazu, dass die Zeit wie im Flug verging und viele Gespräche noch hätten weitergeführt werden können. Nach einem gemeinsamen Abschlussfoto verabschiedeten wir unsere dänischen Gäste, die mit neuen Eindrücken die Heimreise antraten. Für uns war der Tag eine bereichernde Erfahrung, aus der wir einige neue Perspektiven für unsere eigene SV-Arbeit mitnehmen konnten.

Text und Fotos: Si